Bahnhofsplatz, Bulach, Beiertheim - Grafik Studio Harald Hirsch

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Bahnhofsplatz, Bulach, Beiertheim

Rund um   den Bahnhofsplatz  -  Entree  einer  großen  Stadt

Wer aus der hohen Halle des Hauptbahnhofs ins Freie tritt, erste Umschau hält, was Karlsruhe ihm zum Empfang anzubieten weiß, wird sich vielleicht von der Kulisse etwas enttäuscht zeigen. Solche Plätze haben etwas Nonkonformistisches an sich, sind rein auf den Zweck gerichtet; hier Hotels mit klingendem Namen für durchreisende Gäste, dort ein paar Geschäfte unter Kolonnaden, drüben die baumbestandene Bahnhofsstraße, die aber keineswegs ins Zentrum der Stadt geleitet.
Vom nahen Stadtgarten lockern Baumgruppen diese Szenerie mit einer freundlichen Note auf. Der Park lädt ein zum Verweilen bei längeren Aufenthalten zwischen den Abfahrtszeiten der Züge. 1913 wurde Karlsruhes Hauptbahnhof an die Peripherie weit im Süden verlegt. Das Eisenbahnzeitalter begann mit dem 10.April 1843. Damals dampfte schnaubend der erste Zug der Großherzoglich Badischen aus der "Eisenbahnstation Carlsruhe".

Auf der Lokomotive amtierte mit Stolz ein gewisser HansJörg Benz, Vater jenes Konstrukteurs, der sein Gefährt frei von der Schiene auf die Straße stellte: Carl Benz, der erste Automobilist und der in Mühlburg zur Welt kam.

Das Bahnhofsgebäude wurde in Stadtnähe gerückt. Es bestand bereits eine Umgehungsstraße, die heutige Kriegsstraße. Deshalb lag es nahe, daß die damaligen Planer des Verkehrs parallel zu ihm die Schienen legten, um so Karlsruhe direkt an das Netz der Eisenbahnen anzuschließen. Friedrich Eisenlohr erstellte in nachempfundener Spätrenaissance die Empfangsgebäude des Bahnhofes, markant der hochragende Uhrturm. Jenseits des "Schienenäquators" wuchsen neue Siedlungen und weitere Industrieunternehmen, vor allem die Keßler ' sche Maschinenfabrik, in der Badens erste Lokomotiven gebaut wurden.

Mit der Zeit aber entwickelte sich zwischen Innenstadt und dem "Eisenbähnlerviertel" im Süden' ein stetes Hin und Her, so daß die Schienen und Schranken sich zu einem echten Hindernis entwickelten. Es fuhren nicht nur die Hauptbahn, auch die Maxaubahn klapperte durch die Mathystraße nach Mühlburg und Knielingen, von der Kapellenstraße her zuckelte das "Bähnle", das nach Westen über Grünwinkel bis Durmersheim lobberte, und zu allem Gewirr folgte noch die ab 1900 elektrisch betriebene Straßenbahn.
So wurde 1913 der Bahnhof geschlossen und die Südstadt von ihrer "Schrankenhaft" befreit. Professor Sturzenacker hatte die neue Anlage im Jugendstil erbaut. Mit der Verlegung des Bahnkörpers weit in den Süden wuchsen die Fächer - und die Südstadt wieder enger zusammen.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges entstand im Rahmen des Beschaffungsprogramms für das Heer der Arbeitslosen aus dem "Alten Bahnhof" an der Kriegsstraße eine dreischiffige Markthalle. Der "Bauch von Karlsruhe" wurde nicht nur von den Händlern und Marktfrauen aus der näheren Umgebung und der Pfalz besucht; auch die Karlsruherinnen kamen gern zu ihrer Markthalle, die aber von den Stadtplanem ebenfalls ausradiert wurde. Wo einst schrille Pfiffe der Lokomotiven und grollendes Fauchen der Dampfkompressoren den Tag begleiteten, wohin die Bibbeleskäsfrauen aus Stupferich und die Krautlatsche von Durlach und der Pfalz mit ihrer Ware zogen, da erhebt sich heute ein moderner Zweckbau, in den das Badische Staatstheater eingezogen ist. Vielleicht könnte der Musengaul davor eine Brücke schlagen zur Vergangenheit dieses Platzes, als im Zuckeltrab die Chaisen, Vorläufer der Taxis, einst die Reisenden abgeholt hatten oder von der Hardt die Bauern mit ihren Wagen vorgefahren kamen, hochbeladen mit Gemüse und Obst.

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