Das Schloß - Grafik Studio Harald Hirsch

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Das Schloß

Das  Schloß   -   von der Fürstenresidenz zum Landesmuseum

"Anno 1715 war ich Wald, der wilden Tiere Aufenthalt ...", so reimt die Gründungslegende den Anfang dieses Schloßbaues.

1944 zerstörten Brandbomben den Traum. Ruinengeschwärzt trauerte des Markgrafen Residenz dahin,
bis nach dem Wiederaufbau 1950/1963 eine gewandelte, in der Architektur gleichgebliebene "Residenz" entstand,  Hort der Sammlungen des Badischen Landesmuseums.

In der Erinnerung und durch manche Überlieferung angeregt, wird die Vergangenheit wieder lebendig, als ein lebensfroher Resident sich seine Abseitsresidenz hierher, mitten in die Waldeinsamkeit stellen ließ, einfach und nur mit einem Turm jene Stelle markierend, wo Markgraf Karl Wilhelm in Ruhe seine Vision erschaute, eine Stadt, die ganz dem "Gusto" der Zeit entsprach, wo der Herr ungestört seinen Neigungen entsprechend leben durfte, ohne daß ihm Klatschmäuler den Hang zu Abseitigem nachsagen konnten. Vom Schloßfenster aus sah er mit Stolz auf seine Blumenkinder, die er züchtete, Tulpen und Hyazinthen.

Mit Wonnegefühlen im Herzen beobachtete er seine Leibgarde, die Tulpenmädchen, die ihn umsorgten und umhegten. Ein Kreis in untertänigem Abstand wurde gezogen, der Zirkel, wo die höfische Lakaienschar ihre Wohnungen zu beziehen hatte. 32 Radien schlössen sich an den Turm, die Linien zukünftiger Stadtplanung hin zum Gemeinwesen der Bürgerschaft. Der Grund war gelegt. Ausgeführt wurde er von den Nachfolgern. Markgraf Karl Friedrich richtete das Schloß in fester Bauweise mit Stein auf.

DER SCHLOSSBEREICH

Vom Marktplatz fiihrt die Karl-Friedrich-Straße zu dem 500 m entfernten Schloß. Sie durchquert dabei den halbkreisformigen Zirkel, an dem zwischen den fächerartig ausstrahlenden Straßen acht große Baublöcke liegen: die Zirkelhauser, die ursprünglich den Hofbeamten, später den Ministerien dienten und heute Behörden beherbergen. Sie sind nach dem Kriege in schlichten Formen wieder aufgebaut worden und haben auf der Schloßplatzseite einheitlich gehaltene Bogengänge wie schon zu Weinbrenners Zeit. Nach Westen folgen einander: das Finanzamt, das Landratsamt und das Amtsgericht; nach Osten: die Landeskreditanstalt und in zwei Blocken das Regierungspräsidium. Der letzte Block auf der Ostseite war urspriinglich Finanzministerium und ist noch in der feingliedrigen Bauweise von H. Hübsch (1827-38) erhalten; in der Vorhalle gute Portraitmedaillons von sechs Landesherren.
Dann öffnet sich als dreieckige Fläche spitz auf das Schloß zulaufend der SCHLOSSPLATZ, den - wie schon zur Zeit des Griinders -prächtige Gartenanlagen einnehmen. Zu beiden Seiten der Mittelachse liegen zwei von Lindenalleen umschlossene Blumenanlagen, in deren Mitte die beiden Najadenbrunnen (1816; A. Raufer) stehen. Den Abschluß im Osten bilden jetzt an Stelle der Marställe die geisteswissen-schaftlichen Institute der Techn. Universitat, im Westen die neuen Gebäude des Bundesverfassungsgerichts, die an Stelle des zerstörten Hoftheaters stehent Unter dem Platz wurden 1964-66 eine breite Durchfahrtsstraße für den Ost-West-Verkehr und eine Autogarage für 940 Wagen angelegt.
In der Mittelachse steht das iiberlebensgroße Bronzestandbild des Großherzogs Karl Friedrich (1728-1811), 'der 65 Jahre lang das Land durch alle Stiirme jener Zeit mit väterlicher Hand führte'.
Der Fiirst ist im Hermelinmantel dargestellt, in der Rechten eine Urkunde iiber die Aufhebung der Leibeigenschaft (1783). Der Entwurf stammt von H. Hiibsch, die Figur von L. Schwanthaler; an den Sockelecken symbolische Frauengestalten der vier Kreise des damaligen Großherzogtums. Das 1828 geplante Denkmal wurde erst 1844 aufgestellt.
Die Mittelachse des Platzes fiihrt zwischen zwei von Putten gekrönten Pfeilern an den beiden ehem. Wachhäusern vorüber, niedrigen Bauten mit offenen Säulenhallen, darauf Trophaen. Vor den Lindenalleen zehn derbe Götterfiguren aus Sandstein, Arbeiten von Ignaz Lengelacher (1782); sie stellen dar: links Silen, Bacchus, Hygieia, Askulap, Hebe; rechts: Hercules, Pan, Venus, Orpheus, Diana. Vor dem Schloß zwei Schilderhäuschen mil aufgesetzen Helmen.
Das Schloß, 1752-74 neu erbaut, ist ein Dreiflügelbau, der vor einem zuriickgesetzten Turm steht; einzigartig durch die in stumpfem Winkel ausgreifenden Fliigel, deren Fluchtlinien die Endpunkte des geplanten Stadtdreiecks bezeichnen. Die Ansatz- und Endpunkte der Fliigel sind durch erhohte Eckpavillons betont, letztere mit Laternen versehen. Zum achteckigen Turm führt vom Mitteltrakt ein Verbindungsbau. Mit den Fliigelenden durch Bogen verbunden sind zwei zuriicktretende Anbauten. Links ursprünglich die Hofküche, jetzt das Hochbauamt, rechts ehem. die Hofbibliothek, jetzt die Museumsverwaltung. Dem Mittelfliigel ist ein säulentragender Allan vorgelegt, im Dreiecksgiebel dariiber das badische Wappen. Die Balustrade vor dem Schieferdach ist mit allegorischen Gruppen und Trophaen von Chr. Melling und I. Lengelacher bekrönt. Der 42 m hohe Turm erhielt seine schon geschweifte Haube 1785 von W. J. Müller. In den gelbgetönten und weiß eingefaßten Wänden wirken die vergoldeten Balkon- und Fenstergitter sehr reizvoll. Architekt des Schlosses war Friedrich von Kesslau, doch haben seine Lehrer Leop. Retti und Balthasar Neumann durch Gutachten und Entwiirfe mitgewirkt, es aber nicht erreicht, daß der Bauherr den ungewöhnlichen Grundriß des Stadtgründers wieder preisgab. Der 1944 völlig ausgebrannte Bau wurde 1950-63 wieder aufgebaut und beherbergt nun das Badische Landesmuseum.
Der 1715-19 errichtete Ruhesitz 'Carols Ruhe' des Markgrafen Karl Wilhelm war ein viel bescheidenerer Bau ('standesgemäß, aber billig'), vielfach nur in Holz gebaut, aber mit einem Turm von 60 m Höhe als Pol und Fluchtpunkt der ganzen Griindung. Fur den Turmrost hatte der Baumeister, Hans Schwarz aus Hamburg, 400 Kiefern gebraucht. Die Schloßflügel waren dreimal so lang wie heute, und hinter dem Schloß lagen im Halbkreis 24 Zirkelhäuschen, in denen der Gärtner, der Biichsenspanner, der Münzmeister, Vogelvolieren, die Hundekoppel, ein Badehaus usw. untergebracht waren.
Das Griindungsjahr des Schlosses war das Todesjahr Ludwigs XIV., dessen Auszug von Paris nach Versailles von deutschen Fürsten nachgeahmt worden war, so im Auszug von Baden-Baden nach Rastatt, von Stuttgart nach Ludwigsburg und von Heidelberg nach Mannheim. Karl Wilhelm, von 1709-38 regierend, von den Zeitgenossen 'halb Herkules, halb Amor' betitelt, war ein kraftvoller Herrscher, auf Reisen und ausländischen Universitaten gebildet, klardenkend und fürsorglich als Regent, dabei von einer ungewohnlichen Naturliebe, die auch die Schönen des Landes aufs freimutigste mit einbezog. Vor seinen Schloßfenstern hatte er in großen Mengen die ihm in Holland so liebgewordenen Tulpen, Hyazinthen und andere Blumen gezogen, im Turm wohnten die 'Tulpenmädchen', aus denen er eine Leibgarde gebildet und die er als Schauspielerinnen, Balletteusen und Malerinnen angelernt hatte, die ihm Tulpenbilder malen mußten (16 Bände, heute in der Landesbibliothek). Der Tod hat den Markgrafen am 12. Mai 1738 beim Gärtnern aus seinen Tulpenbeeten geholt.

Durch die Bogengänge am Ende der Schloßflügel gelangt man in den Schloßgarten, der für die Bundesgartenschau neu gestaltet wurde. Er nimmt den größeren Teil der Halbkreisfläche von 400 Meter Radius um den Schloßturm ein. Die alten radialen Alleen mußten schon zur Zeit des Großherzogs Karl Friedrich einer Parkanlage im englischen Stil weichen. Prächtige Baumgruppen, exotische Bäume, herrliche Rhododendronanpflanzungen. Neu geschaffen sind: der 'Garten der tanzendenWasserwände', der 'Garten der steinernen Säulen' und der 'Wassergarten'. Ein klar geführter Hauptweg verbindet die Schwerpunkte. Im Schloßgartenteich eine Ruheterrasse.

Eindrücke  einer  Stadt   

Man sage nicht, eine Stadt wäre augenlos,
sie erdulde blind, was Menschen ihr antun.
Aus Nischen und Erkern, von Giebeln und Türmen,
an Brunnen und Denkmälern
blickt sie wach und vielgesichtig
hinein in das Getriebe des hektischen Alltages
und verfolgt den Wandel vom Gestern zum Morgen.
Sie klagt nicht an. Sie weist nur hin,
wo Narben entstanden und Wunden heilen sollen
als Runen der Zeit .. .
                                             

Heinz Bischof

Bewertung: 5.0/5
 
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