Durlach, Turmberg - Grafik Studio Harald Hirsch

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Durlach, Turmberg

Durlach - Stadt  der Markgrafen  an  der Pfinz

"Unser Ziel sey die ehemalige Residenzstadt der Markgrafen von Baden-Durlach, ein altes Städtchen eine Stunde von Karlsruhe entlegen, mehr in der älteren als neueren Geschichte merkwürdig. Hier wurde Herzog Conrad von Schwaben im Jahre 1196 auf einem Zug gegen Herzog Berthold V. von Zähringen in dem Königsgäßchen erstochen. Hier wurden zweymal die Brandfackeln unter Kaiser Rudolph I. und dem französischen König Ludwig XIV. von ihren Kriegsvölkern geschwungen und zweynmal erhob sich die Stadt von neuem aus ihrer Asche. Bey der letzten Zerstörung im Jahre 1689 wurden nur fünf kleine Häuser als Andenken dieser schaudervollen Begebenheit dem über das Ganze beschlossenen Schicksale entrissen.

Hier in dem nur zum Theil wieder erbauten Residenz-Schloß, dessen Ruinen noch die ehemalige Schönheit und Ausdehnung bezeichnen, residirten vom Markgrafen Karl II. an, welcher Pforzheim verließ, alle Markgrafen Baden-Durlachischer Linie, bis Carl Wilhelm die Residenzstadt Karlsruhe erbaute. ..." Soweit der Originalton einer Reportage vom Jahre 1815.

Jene Mordtat im Königsgäßchen war nicht nur der erste Eintrag Durlachs mit seinem Namen "Durlaich" in das Buch der Geschichte, sie war auch eine Affäre, die damals Empörung, heute, wenn man sie erfährt, Heiterkeit auslöst. Besagter wackerer Schwabe wollte sich nämlich nicht nur das Recht eines guten Quartiers samt Bewirtung in dem "oppido" Durlach herausnehmen, er verlangte auch nach gehabtem Mahl die "servilen Dienste einer Magd". Da geriet er aber in seinem Eifer, sich eine Schöne zu wählen, an ein besonders resolutes badisches Frauenzimmer. Als der Herzog Conrad sich an ihr vergreifen wollte, langte sie nach einer Mistgabel und stach zu. Röchelnd lag der Frevler weibischer Ehre am Boden. Da tat der Ehemann besagter Durlacherin den letzten Schlag. Mit einer Keule versetzte der Schuster ihm den totalen Garaus. Das "Königsgäßle" hat danach seinen Namen erhalten.

Durlacher wurden die badischen Markgrafen im Jahre 1565, als diese hier an der Pfinz die Karlsburg bezogen. Das sollte aber weder der Bevölkerung noch der Stadt sonderlich gut bekommen. Immer wieder mußten Feinde abgewehrt oder zerstörte Häuser aufgebaut werden. Ganz schlimm war die Lage während des spanischen Erbfolgekrieges. 1689 war die Karlsburg ausgebrannt. Nur der Prinzessinnenbau blieb einigermaßen verschont. Die markgräfliche Familie floh nach Basel in ihr Stadtpalais. Die Bevölkerung versteckte sich in den Waldungen bei Langensteinbach. Nach Rückkehr aus den? schweizerischen Exil heiratete Markgraf Karl Wilhelm 1697 die herrschsüchtige Prinzessin Magdalene Wilhelmine von Württemberg, die dem Erbprinzen das Leben schwer genug machte. Als dieser 1709 nach dem Tode seines Vaters Friedrich Magnus die Regentschaft übernahm, hatte der "bei den Frauen sehr beliebte und auch seinerseits dem Reiz des weiblichen Umgangs in höherem Maße mehr Geneigte als mit der Würde des fürstlichen Berufes zu vereinbaren war", einen gar schweren Stand bei seiner "Schwäbin im Prinzessinnenbau". Karl Wilhelm brach aus - die Folge war die Gründung Karlsruhes.

Durlach sank in den Stand eines Landstädtchens ohne jeglichen höfischen Glanz, durchlebte eine ruhige Zeit, nahm erst zur Mitte des 19.Jahrhunderts wieder einen Aufschwung, als im Zuge der Industrialisierung sich bedeutende Unternehmen niederließen.

Dann kam das von den Durlachern immer noch nicht überwundene Jahr 1935, als sie nach Karlsruhe zwangseingemeindet wurden. Einige Separatisten wollten 1950 gar einen Ausbürgerungsantrag durchbringen. Mittlerweile aber haben sich die "Lätschebäuch" mit den "Briganden" arrangiert, wenn auch mit Maßen. Doch wer den Eisenbahnäquator in Richtung Osten überschritten hat, wird plötzlich gewahr, daß er ganz wo anders eingekehrt ist, wo es viel heimeliger ist, die Menschen nicht so von der Hektik getrieben sind, in der Ruhe Gelassenheit ausstrahlen und sich freuen, daß sie ihren "Karle mit der Tasch" als Standessymbol vorweisen können. Stolz sind auch die Residenzstädtler. Denn für sie geht nicht nur die Sonne im Osten hinterm Turmberg auf. Dies zu wissen, gibt uns die Bestätigung, einmal wiederzukehren, um in einem eigenen Buch mit Zeichenstift und Feder unterwegs zu sein in den trauten Vierteln dieser reizvollen Stadt der Markgrafen an der Pfinz ...

Durlach - Turmberg
Bereits 771 und 785 wurde der „Hohenberg“, wie der Turmberg er zu jener Zeit genannt wurde, im Lorscher Codex erwähnt. Der Burgbau begann offenbar im letzten Viertel des 11. Jahrhunderts durch die Grafen von Hohenberg. Graf Berthold von Hohenberg der Ältere gründete 1094 auch das Kloster Gottesaue.
Der Ursprungsbau begann als Wohnturm, der heute nicht mehr sichtbar ist und sich südwestlich unmittelbar neben dem heutigen Turm befand.
Als 1136 der letzte männliche Nachfahre, Berthold der Jüngere, kinderlos verstarb, gingen sowohl die Grafschaft über den Pfinzgau als auch die Burganlage auf die Grafen zu Grötzingen als Lehen der Staufer über. Nun wurde der Turmberg auch „Burg Grötzingen” genannt.
1158 wird Graf Wecelo de Grecingen, heute Grötzingen, erwähnt, der um 1190 möglicherweise beim 3. Kreuzzug verstarb. Mit dem Tod des Grafen Wecelo erlosch die Grafschaft Pfinzgau, weil das Lehen an die Staufer zurückfiel, die es jedoch nicht mehr neu vergaben. Seither wurde der Turmberg nur noch mit Burgmannen besetzt. Sie stammten oft aus der Familie der Herren von Roßwag. Roßwag ist heute ein Stadtteil von Vaihingen an der Enz.
In der Mitte des 12. Jahrhundert wurde die Burganlage erweitert: es wurde eine 1,3 Meter bis 1,9 Meter dicke Ringmauer errichtet sowie ein vermutlich turmartiges Torhaus im Nordwesten. Ebenso wurden eine Zisterne und einige Innengebäude angelegt. Der noch heute erhaltene Turm entstand zwischen 1230 und 1250 am Rand der Ringmauer. Der ursprüngliche, in seinem Umfang größere Wohnturm wurde abgebrochen.
In den Jahren 1272 und 1274 urkundete Markgraf Rudolf I. von Baden im „castro Grecingen“.
1273/74 eroberte König Rudolf I. von Habsburg kurzzeitig die Burgen und Städte Mühlburg, Grötzingen, Durlach und vermutlich auch den Turmberg. Die Schäden hielten sich in Grenzen, da der badische Markgraf wenige Wochen später wieder auf dem Turmberg urkundete, wie zuvor erwähnt. Auslöser war die Weigerung des Markgrafen, zu Unrecht erhobene Zölle fallen zu lassen.
1279 zerstörte Konrad von Lichtenberg, Bischof von Straßburg, laut den Colmarer Annalen ein „castellum Türlac“. Es ist nicht sicher, ob es sich hierbei um den Turmberg oder um einen Vorläuferbau der Karlsburg gehandelt hat, da bei Ausgrabungen auf dem Turmburg eine Brandschuttschicht entdeckt wurde.
Ab 1565 wurde der Turm als Wachtturm für Durlach genutzt, eine große Glocke läutete im Alarmfalle. Da befand sich der Turmberg bereits auf Durlacher Gebiet. Die restliche Burganlage inklusive der Ringmauer war zu jener Zeit bereits abgetragen.
1644 brannte im dreißigjährigen Krieg und 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg der Dachstuhl des Turms ab und wurde anschließend wieder neu erstellt.
In der Zeit der Industrialisierung war der Turmberg ein viel genutztes Naherholungsgebiet. Die Panoramastraße auf den Turmberg wurde aber erst um 1930 gebaut.
1937 entstand das Gefallenen-Denkmal des Bildhauers Egon Gutmann, das direkt am Turm angebracht ist.


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