Gottesaue - Grafik Studio Harald Hirsch

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Gottesaue

Gottesaue  -   ältestes Baudokument   der Stadt

Es stehen noch Gerüste vor den Mauern, als diese Betrachtung geschrieben wird. 1944 trafen Bomben die massige Gestalt dieses so gar nicht zur übrigen Bausubstanz des höfischen Barocks und Klassizismus passenden Renaissancegebäudes . Lange trauerten die Ruinen unter verwildertem Gestrüpp und vermoostem Stein, bis man sich besann, das wohl älteste Detail der Stadtanlage wieder zu einem glanzvollen Mosaikstein herauszuputzen. Ursprünglich war dies die kulturelle Urzelle der Landschaft im Bruchgebiet zwischen Alb und Pfinz, 1110 als Benediktinerkloster angelegt: Gottes-Aue. Reich war der weitverstreute Landbesitz der Benediktinermönche. Segensreich wirkten sie als christliche Glaubens und Kulturbringer. 1525 zogen die geistlichen Herren sich die Wut der aufgebrachten bäuerlichen Bevölkerung zu. Die Anlage brannte nieder. Später wurden die ruinösen Klosterbauten zu einem Schloß komplex umfunktioniert und ihm mehrere Aufgaben in Folge zugeordnet; Garnison für die Artilleristen, Grenadiere und Polizisten, bis die Mauern brachen.





Ein Musentempel soll nun dort entstehen, in
jenem Schlößchen, das einst so weit ab lag
von der Geschäftigkeit des Regierens und Handelns einer Markgrafenstadt, entfernt,
irgendwo draußen. Ganz einsam stand es da,
nicht bewohnt, als die Bomben es niedergelegt
hatten, von Eulen und Falken bewohnt, in die
hohen Fenster schaute der Mond herein, Schatten gaukelten eine Spuk- und Traumwelt vor.
Fürwahr, ein verlorener Zeuge, ein Vagabund
seiner Zeit, unsagbar erbärmlich. Doch jetzt,
wenn die Gerüste einmal gefallen sind, wieder
ein Trabant von Adel, der Haltung zeigt in
seiner massigen Gestalt mit den runden zwiebel dachbedeckten Türmen.

Gottes-Aue, ein Name, der Verpflichtung bedeutet.

Geschichte.

Die Oberrheinlandschaft, in der Karlsruhe 1715 gegründet wurde, hat man sich als einen breiten flachen Waldstreifen auf einem Sand- und Kiesrücken vorzustellen, der von den Schwarzwaldbergen im Osten durch das Bruchgebiet des einstigen Kinzig-Murgflusses und der Alb geschieden war, im Westen mit einem Steilrand gegen die mächtigen, in Auenwäldern verlaufenden Windungen des Rheines abfiel. Die kleinen Siedlungen darin, zuerst der Kelten, später der Alemannen und Franken, gehen bis in vorchristliche Zeit zurück. Im Mittelalter finden sie in dem Kloster Gottesaue (1094 bis 1525) einen Kulturbringer, dem im 16. Jh. Durlach folgte, das 1565 zur Residenz der Markgrafschaft Baden-Durlach wurde.
Die Gründung Karlsruhes ist die Tat des Markgrafen Karl Wilhelm (1679-1738), der sein 1689 schwer zerstörtes Schloß in Durlach 1715 aufgab, um in der waldigen Ebene eine neue unbefestigte Residenz zu errichten, in deren Gestalt und Lebenszuschnitt er seinem politischen Willen ungehindert Ausdruck geben konnte. Von Anbeginn an hatte er nicht nur ein Jagd- und Lustschloß im Sinne, sondern eine kleine Stadt, in die er durch seine 'Gnadenbriefe' Kolonisten aus ganz Europa zu ziehen wußte. Der Grundriß gibt dem Gedanken der fürstlichen Gnadensonne, die alles mit ihren Strahlen durchdringt, unübertrefflichen Ausdruck.
An seinen Enkel und Nachfolger, den Markgrafen Karl Friedrich (reg. 1746-1811) den Gesegneten, der 65 Jahre lang regierte, fiel 1771 durch Erbvertrag die Markgrafschaft Baden-Baden, und 1806 wurde er der größte Nutznießer von Napoleons Rheinbundpolitik, als dieser das Großherzogtum Baden errichtete. In Karlsruhe, das nun zur Residenz eines Landes mit einer Million Einwohner (vorher 40.000) geworden war, baute er das Schloß neu, fand für die Stadt in Weinbrenner den genialen Architekten und in Tulla den Ingenieur, der den Rhein zu bändigen begann.
Das zweite Jahrhundert seines Bestehens brachte Karlsruhe die Festigung seiner Rolle als Residenzstadt eines Großherzogtums. Großherzog Karl (reg. 1811-18) gewährte 1818 die sehr liberale Verfassung, Ludwig (reg. 1818-30) gründete 1825 die Technische Hochschule, Leopold (reg. 1830-52) förderte Verkehrswesen und Industrie, mußte aber auch 1849 vorübergehend dem Badischen Aufstand weichen. Friedrich L (reg. 1852-1907) hielt sich politisch weiter an der Seite Preußens. In seine lange Regierungszeit fallen die Gründung der Kunstakademie, der Majolikamanufaktur, der Ruhm Scheffels und Thomas, sowie 1901 die Eröffnung des Rheinhafens und damit der Aufstieg zum Industriezentrum.
Der verlorene Erste Weltkrieg zwang Großherzog Friedrich II. (reg. 1907-18) zur Abdankung; er beendete wegen der Lage in der entmilitarisierten 50 km-Zone auch Karlsruhes Rolle als Garnisonstadt und als Industriezentrum. Der Zweite Weltkrieg hinterließ die Stadt nach 57 Fliegerangriffen (1940-45) als Trümmerstätte mit nur 68.000 Einwohnern. 34 % der Häuser waren zerstört, 1754 betrug die Zahl der Bombenopfer. Die Neugliederung Deutschlands 1949 nahm Karlsruhe auch die Rolle der Landeshauptstadt, doch da die Grenznähe nicht mehr hinderlich, sondern förderlich geworden war, wuchs die Stadt nach einem erstaunlichen Wiederaufbau rasch in die Rolle eines neuen Wirtschaftszentrums am Oberrhein. Die Entwicklung zum 'Ölkreuz' Südwestdeutschlands und zum Sitz eines Kernforschungszentrums sind die jüngsten Stationen dieses Weges.
Das Stadtwappen zeigt auf rotem Grund einen orangenen Schrägbalken, darin in schwarzen Lettern das Wort 'Fidelitas', Name eines vom Stadtgründer 1715 gestifteten Hausordens der Treue.

Bewertung: 5.0/5
 
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