Grötzingen - Grafik Studio Harald Hirsch

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Grötzingen

Grötzingen - Stadtteil mit reicher Geschichte

Vom "badischen Malerdorf" künden die Werbestempel der Muttergemeinde Karlsruhe. Von alledem ist aber nur der Ruhm geblieben. 1888 - also vor bald hundert Jahren - hatten sich von der Anmut und dem Charme der Landschaft des vorderen Pfinztales "stadtflüchtige Künstler" anwerben lassen, um eine bescheidene "Malerkolonie" zu bilden. Friedrich Kallmorgen erbaute sich am Augustenberg eine Villa, die fortan Zentrum der Grötzinger Malergesellschaft werden sollte. Freilich ist heute wenig Schöpferisches aus jener Zeit des Impressionismus übriggeblieben. Die älteren Künstler starben hinweg, andere wanderten aus, und was als Ruf zurückgeblieben ist, das hat sich in dem Slogan von dem badischen Malerdorf niedergeschlagen. Dies aber schließt nicht aus, daß es in Grötzingen, das auf den 1.1.1974 mit Karlsruhe vereinigt worden ist, keine malerischen Akzente gäbe, daß hier keine Geschichte oder Geschichten lebendig erhalten sind.

Neben Ettlingen und Malsch zählt Grötzingen zu den ältesten Siedlungen an der Grenze der Vorbergzone. Eng verbunden ist die Siedlung mit dem Kloster Weißenburg im Elsaß, in dessen Urkunden der Name "Grezzingen" erstmals im Jahre 991 erwähnt wird. Auf der Gemarkung von Grötzingen wurde am Ende des 12.Jh. auch die Stadt Durlach gegründet.

Oben auf dem Turmberg erhob sich die "Burg Grötzingen", die Sitz der Grafen von Hohenberg-Lindenfels war. Landwirtschaft und Rebenanbau sorgten für einen gesicherten Wohlstand der bäuerlichen Bevölkerung. Die ortsgeschichtlich bedeutsamsten Gebäude stehen "links der Pfinz", so die Kirche, deren Turmhelm mit starker Linksdrehung ein Wahrzeichen der Gemeinde darstellt. Die Augustenburg -1676 schenkte Markgraf Friedrich Magnus das Anwesen seiner Gemahlin Augusta Maria, eine Prinzessin von Holstein-Gottorp, woran das Allianzwappen Baden-Holstein erinnert - entging der Brandschatzung im Jahre 1689.

Nach einer Zeit des Niedergangs ist heute diese Burganlage wieder von Grund auf restauriert und bedeutet eine glückhafte Wiederherstellung alter historischer Gebäude. Über eine Bauträgergenossenschaft ist möglich gemacht worden, daß die Augustenburg als Hotel-Restaurant mit Arztpraxen, Behandlungsräumen, Wohnungen einen bedeutsamen Teil des tätigen Lebens der Gegenwart bildet. 1859 wurden auf halber Hohe zum Turmberg die Landwirtschaftliche Versuchsanstalt Augustenberg gebaut und ein Mustergut angelegt.

Alt-Grötzingen, das Bauerndorf von einst, breitet sich rechts der Pfinz aus, weitet sich um die historischen Gebäude des ehemaligen Kannenwirtes Nidda und des Fachwerk-Rathauses. Der gotische Unterbau stammt aus dem Jahre 1583. Der Oberbau mit den rotgestrichenen, reichverzierten Eichenbalken, die sich aus dem weißen Mauerwerk so farbenprächtig abheben, stellt eines der schönsten Fachwerkhäuser in der unmittelbaren Umgebung dar.
Eine Hausinschrift an einem Gebäude in der Mittelgasse gibt den Rat:

Willkommen hier, lieber Gast,
habt ihr Geld, so geb'ich euch das Best'.
Wollt ihr borgen, so kommt übermorgen,
heut ist der Tag,
wo ich nicht borgen mag ...

Nun, man wird wohl immer mal wiederkommen müssen, um Grötzingen in Vergangenheit und Gegenwart besser kennlernen zu können.

Eines der Grötzinger Wahrzeichen ist der Turm der 1255 erstmals urkundlich erwähnten evangelischen Kirche. Das Turmdach ist kunterbunt und gedreht – einer Sage nach hat der Teufel sich an dem Turm zu schaffen gemacht, ihn aber lediglich verdreht und nicht zum Einsturz gebracht.
Bewertung: 5.0/5
 
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