Kaiserstraße - Grafik Studio Harald Hirsch

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Kaiserstraße

Kaiserstraße - Avenue der vielen Schaufenster

Wie hat sie sich gewandelt, die "Long Street" aus markgräfliehen Zeiten ! Was mit der "Mühlburger Landstraße" einst begann, das endet heute in einer verkehrsberuhigten Fußgängerzone . Wo Prinzenbauten standen und renommierte Bürgerwirtschaften, da glitzern Fassaden in Glas und Chrom. Kaum mehr vorzustellen ist, daß hier Kutschen den Straßenzug belebten, aus denen mit fürstlicher Huld den Untertanen entgegengewunken wurde, Großherzogin Luise zum Beispiel, die Kaisertochter aus preußischen Landen, die den Badenern mit Nicken, Lächeln und Zuwinken zu verstehen gegeben haben soll: Du kriegst nichts, und du kriegst nichts - 's kommt alles uff Berlin ! Nun, die Landesmutter hatte damals auch andere Seiten, sie war die erste "Sozialministerin" im Lande und so, wenn man es umdeuten will, eine Vorläuferin von Barbara Schäfer vom Bergwald.

1718 wurde die "Lange Straße" mit den ersten Häusern bebaut. Mehr und mehr siedelte sich hier das Wohlstandsbürgertum an. Geschäftshäuser gehörten dazu, auch das Palais des Schuldenfinanziers Haber. Später lappte die Stadt schon über die Querspange weit nach Süden bis zur Kriegsstraße über, kamen auch die ersten Großkaufhäuser, der Knopf und der Tietz, die mehr und mehr den Grund legten, daß die nach 1870 zur Kaiserstraße arrivierte Hauptachse zum Korso und galanten Flanierspaziergang emporstieg. Die "Rennstreck ' ", wie so mancher aus dem Dörfle oder der Südstadt sie titulierte, war auf einmal "in". Gar mancher Ehegenoß' stöhnte, wenn seine Allerliebste ihn wieder mal mit dem Wunsch überredete: "Was isch ', Karle, renne ' m' r  g 'schwind nuff uf d'Kaiserstroß' ?"

Dann kamen die Bombennächte und zerstörten die lieben Vorstellungen, so daß man heute von einer gewandelten Kaiseravenue sprechen muß; auch von einem neuen Namen, wenn lässig von der "Ketchupallee" geredet wird, weil die kleinen Lädchen von Leipheimer und Mende und Spiegel und Wels, die trauten Cafes Central und Museum in die Vergangenheit eingegangen sind und an ihre Stellen nun die "Freßketten" und Pizzerias und Eissalons, daneben Boutiquen und die hohen Fassaden der Kaufhäuser Karstadt, Hertie und am Buropaplatz Schneider erstanden sind. Sic transit gloria mundi ! Die Kaiserstraße hat diesen Spruch im wahrsten Sinn des Wortes durchstehen müssen . .

Großstadtstraßenbummel




Ein stets treibendes, wild wogendes Meer von
tausend Menschenleibern
flutet dahin im Sog des Getriebes
von Alltag und Geschäftigkeit.
Nur hastiges Vorwärts eilen,
kein Verweilen wie drüben
unter den Alleen des Parks.
Ein Mitgerissenwerden im beständigen
Immerweiter, ein zielloses Immerdahin.
Nur am Abend, wenn erloschen sind
die künstlichen Sonnen der Reklameleuchten,
scheint alles friedlich in Trance getaucht.



Da spürst du, wie alleingelassen sie sind,
die Puppen hinter den Schauscheiben,
die Reichtümer, die Luxus bedeuten.
Und du stehst mitten drin.
Diese Einsicht formt neues Verstehen.
Jetzt erst bist du wer, hast Raum, wo
einst drangvolle Enge die Luft zum
Atmen dir nahm,
findest die Lust des Augenblickes zum
Betrachten dieser Fülle, die ausgebreitet
vor dir liegt, als bräuchtest du nur die
Hand zu öffnen, dich zu bedienen.
Großstadtstraßen, sie lieben die Nacht
und fürchten die Helle des Tages...

                               Heinz Bischof

Bewertung: 5.0/5
 
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