Rondell - Grafik Studio Harald Hirsch

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Rondell

Rondellplatz - woran der schlanke Obelisk erinnern will

Manchem Verkehrsplaner mag diese Vierkantnadel aus Buntsandstein wohl wie ein Dorn im Auge vorkommen. Straßenbahnen fahren im Bogen, Autos geraten leicht in Kollisionsgefahr. Wer wohl weiß von den Zahlreichen, die hier täglich unterwegs sind, warum einst mitten in die "Via triumphalis" Weinbrennerscher Prägung solch ein Unikat der Denkmalkunst gestellt wurde?


Amtlich nennt sie sich "Verfassungssäule". Wer bildungsbeflissen sein will, der muß schon nähertreten, um die Inschrift und das Bildnis zu entziffern: Dem Gründer der Verfassung, die dankbare Stadt. Es war Großherzog Karl, der im Jahre 1818, kurz vor seinem Tode, Badens erste, liberale und auf demokratischer Basis erarbeitete Landesverfassung unterzeichnete. Hier am Rondellplatz, an der Stelle des heutigen Landesgewerbeamtes, befand sich das "Notquartier" des Badischen Landtages und die sogenannte Zweite Kammer der privilegierten Abgeordneten von Rang und Adel. Der Umzug in das eigens errichtete Ständehaus bei der katholischen Stadtkirche St.Stephan erfolgte später.

Auf der anderen Straßenseite, wo die Markgrafenstraße beginnt, blieb von dem ehemaligen Markgräflichen Palais nach der Zerstörung 1944 nur noch der Säulenportikus stehen. Einst war dies die Wohnung für die drei Söhne Großherzogs Karl Friedrich aus der zweiten Ebe mit Gräfin Geyer von Geyersberg, nachmalige Reichsgräfin von Hochberg. Hier war es auch, daß im Jahre 1826 Großherzog Friedrich I. (gestorben 1907) zur Welt kam. Heute beherbergt das Gebäude seit 1962 die Zentralkasse Süddeutscher Volksbanken.

Die Karl-Friedrich-Straße endet beim Ettlinger Tor. Wenige Zeugen sind nach der Zerstörung 1944 von den übrigen Bauten Weinbrenners noch erhalten. Der Grundzug damaliger Stadtplanung, das natürlich Gewachsene, das Liebenswürdige in die verflochtene Nachbarschaft von Bausubstanz und Gartenanlagen miteinzubeziehen, sowie der behutsame Charme architektonischen Feingefühls ist vielerorts noch zu erkennen. So läßt sich auch der Rondellplatz trotz seiner Schwierigkeit durch den Obelisken - kompensieren in die Ansichten und die Ausstrahlungen urbanen Schauens und Bauens aus großherzoglicher Residenzzeit.

Bewertung: 5.0/5
 
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