Rüppurr, Ettlingen - Grafik Studio Harald Hirsch

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Rüppurr, Ettlingen

Rüppurrer Notizen - Kirchlein, einsam an den Straßen

Literarischen Ruhm hat  sich dieser Stadtteil schon vor seiner Eingemeindung nach Karlsruhe im Jahre 1907 einheimsen dürfen. Reiche historische Vergangenheit belegt den Stellenwert dieses Dorfes auf halbem Wege zur Markgrafenstadt Ettlingen. 1109 wurde die "Rietburg" erstmals genannt, der Lehensadel von Gottesaue hatte dort seinen Sitz. Einer aus diesem Geschlecht, Reinhard von Riepur, war seit 1503 Bischof von Worms und eines fruchtlosen Kampfes gegen die Reformationsbestrebungen müde geworden. Sein Grabmal steht in dem kleinen Kirchlein am Rande der alten Landstraße. Die Inschrift klagt: "Ein gedemütigtes und zerschlagenes Herz verwirft Gott nicht. "

Von dem ehemaligen Rüppurrer Wasserschloß sind nur noch wenige Gebäude auf unsere Zeit gekommen. Die Schloßmühle, wo einst die Bauern von Mühlburg ihr Korn mahlen ließen, verlor ihren Auftrag und wurde stark modernisiert. In diesem Außenbezirk des alten Dorfkerns von Rüppurr befindet sich auch die bekannte St.Nikolauskirche. Ihr hat, und darauf gründet sich der iit erarische Ruhm, einst der Freiheitsdichter Max von Schenkendorf eine seiner schönsten Liedstrophen gewidmet. Schenkendorf vermählte sich 1812 mit einer Konigsbergerin hier in Karlsruhe und wohnte an der Erbprinzenstraße. Oft wanderte er die Alb aufwärts und legte Rast bei der Nikolauskirche ein.

So entstand sein Gedicht:
Liebes Kirchlein an den Straßen, wer dich einsam hier erbaut,
hat in Sehnsucht ohne Maßen hat, gleich mir, hinausgeschaut
nach den Bergen, nach dem düstern schauerlichen Waldesgrün,
wo die hohen Bäume flüstern, wo die tiefen Schatten zieh'n,
in die ahnungsvollen Weiten, in ein unbekanntes Land,
wo die Nebelgeister reiten auf der alten Berge Rand.

Rüppurr ist heute längst kein Bauerndorf mehr. Der Stadtteil zählt zu den begehrtesten Wohngegenden im Süden Karlsruhes, hat mit dem Märchenring ein Prominentenviertel erhalten, weist mit der Mustersiedlung Dammerstock sogar internationales Architekturmuster auf, als 1929 unter Leitung von Malter Gropius moderner Bauhausstil kreiert wurde, Ostendorf legte 1910/13 die Gartenstadt an, die nach der Hellerau in Dresden erster Ausdruck einer neuen Wohnbauweise war, eingebettet in viel Grün und die Anlagen von Kleingärten. Aus dem Ortsbild, in dem stellenweise noch fränkische Fachwerkhäuschen die Straßen begleiten, ragt der Turm der evangelischen Auferstehungskirche von 1908 neben dem Friedhof empor.

Wie sang einst Max von Schenkendorf ?
Kirchlein, aus der Lieben Mitte, ohne Rast und ohne Ruh, lenken täglich meine Schritte durch die Stoppeln dir sich zu. ..
.

Schloß Scheibenhardt wurde 1699-1704 im Auftrag des Türkenlouis, Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, durch den Rastatter Schloßbaumeister Domenico Rossi als barocker Zentralbau begonnen und durch den Böhmen Johann Michael Rohrer für den Markgrafen Ludwig Georg, auch Jägerlouis genannt, vollendet. Heute ist in das Areal eine Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste eingezogen.

Liebes Kirchlein an den Straßen,
wer dich einsam hier erbaut,
hat in Sehnsucht ohne Maßen
hat, gleich mir, hinausgeschaut
nach den Bergen, nach dem düstern
schauerlichen Waldesgrün,
wo die hohen Bäume flüstern,
wo die tiefen Schatten zieh'n,
in die ahnungsvollen Weiten,
in ein unbekanntes Land,
wo die Nebelgeister reiten
auf der alten Berge Rand. ...

              Max von Schenkendorf

Rüppurr – Stadtteil von Karlsruhe

Das Dorf Rüppurr wird 1907 nach Karlsruhe eingemeindet und verliert damit seine 900 Jahre währende Selbstständigkeit. Die Bevölkerung von rund 2.500 zu Beginn des 20. Jahrhunderts wohnt überwiegend in Alt-Rüppurr, d.h. westlich der Herrenalber Straße und der Gleise der Albtalbahn. Seit 1903 wird das „Neue Viertel“ (Bereich zwischen Diakonissen- und Battstraße) bebaut, 1912 beginnt der Bau der Gartenstadt, eine weithin bekannte und beliebte Modellsiedlung. Es dauert bis 1953, ehe mit dem „Märchenviertel“ ein neues Wohngebiet hinzukommt, gefolgt von der „Allmendsiedlung“ 1956 und der preisgekrönten Baumgartensiedlung im Jahr 1965. Heute sind auch die Lange Straße bis zur Autobahn sowie die an der Alb gelegenen Grundstücke von Rastatter- und Lange Straße bebaut. Rüppurr hat 2010 rund 10.000 Einwohner.
Aus der Geschichte des Dorfes Rüppurr

Rüppurr wird urkundlich erstmals 1103 genannt, hat aber schon früher als Weiler bestanden. Im Lauf der Zeiten kommt der Ortsname bzw. seine Schreibweise in mehr als einem Dutzend Versionen vor. Er geht aber wohl auf Rietburg oder Riepur, d.h. Haus bzw. Burg im Ried, zurück. Die mit Mauern und einem breiten Wassergraben umgebenen Gebäude lagen auf dem Gelände der heutigen Rastatter Straße 1-17, das gegenwärtig als Parkplatz dient. Die großen Zehntscheuern wurden 11061 abgerissen. Vom früheren „Schloss“ ist nur noch das sog. „Rote Haus“ übrig geblieben.
In der anfangs bescheidenen Wasserburg lebte das Geschlecht der Edlen oder „Pfauen“ von Rüppurr, ein niederer Dienstadel. Er war den badischen Markgrafen lehnspflichtig. Durch Schenkungen und Belehnungen für Kriegs- und andere Dienste gewannen die Pfauen, die zeitweise wichtige Hofämter der Markgrafen bekleideten, einigen Einfluss. Was die hiesigen Adligen aber besonders auszeichnete, war ihre ständige Streitsucht. Sie legten sich mit den unterschiedlichen Herrschaften und Institutionen an, seien es Klöster wie Frauenallb und Lichtental bei Baden-Baden oder Ettlingen, um nur diese zu nennen. Fehden, Streit und Prozesse kamen den Pfauen auf Dauer teuer zu stehen: Sie verschuldeten sich zusehends, so dass um 1600 Schloss und Dorf Rüppurr an die Markgrafen von Baden-Durlach verkauft werden mussten. Die Pfauen verließen Rüppurr und nahmen Wohnsitz im Schwäbischen. Dass Rüppurrer „Pfauen“ im 15. und 16. Jahrhundert hohe kirchliche Ämter bekleideten, verdient Erwähnung. So war z.B. Reinhard von Rüppurr seit 1503 Bischof von Worms.
Das Geschlecht der Pfauen von Rüppurr im Mannesstamm starb im 18. Jahrhundert aus, der  letzte Namensträger 11018 auf Schloss Obermönsheim nahe Pforzheim. Rüppurr-Dorf und Klein-Rüppurr am Schloss waren seit altersher bescheidene Siedlungen mit armer Bevölkerung, oft von Kriegen heimgesucht. Seit dem 18. Jahrhundert gab es erste kleine Industrien und Manufakturen (Tabak, Leder) in Klein-Rüppurr, im 110. Jahrhundert siedelte sich mit der Chemischen Fabrik (im heutigen Märchenviertel) ein großes Industrieunternehmen an. Für die Entwicklung Rüppurrs vom Bauern- und Industriearbeiterdorf zu einem beliebt werdenden Wohnort trugen u.a. die Eröffnung der Albtalbahn 18108, der Bau des Neuen Viertel 11003 und der Baubeginn der Gartenstadt 11012 bei. 11007 war Rüppurr nach Karlsruhe eingemeindet worden.

Ettlingen - Stadt der Markgräfin an der Alb

Ettlingen - Stadt der Markgräfin an der Alb

Zahlreiche Karlsruher sind im Lauf der letzten Jahrzehnte bereits heimliche Ettlinger geworden. So mag es niemand verwundern, wenn in diesen Spaziergängen durch die Stadt der Briganten auch die Rede von den "Dohlenaaze" ist, die ihrer Gemeinde durch die Sanierung des Altstadtviertels links der Alb rund um die ehrwürdige St.Martinskirche ein neues Image dank einfühlsamer und qualitativ hochwertiger Restaurierung überschrieben haben.
Bis zur Zeit der Römer reicht Ettlingens Geschichte zurück. "Ediningom" zählte zum Besitz des Klosters Weißenburg, erhielt 965 das Marktrecht und wurde 1192 Stadt. In den Besitz der badischen Markgrafen gelangte der mit Graben und Mauern bewehrte Ort im Jahre 1219. Als sich die Markgrafschaften in die beiden Linien trennten, die ernestinische, Sitz in Baden-Baden bzw. ab 1700 in Rastatt, fiel Ettlingen dem katholischen Fürstenhaus zu.


Es war die Markgräfin Franziska Augusta Sibylla von Baden, die nach dem Tode des Türkenlouis im Jahre 1707 sich dem Wiederaufbau von Stadt und Schloß Ettlingen zuwandte und dort ihren Witwensitz einrichtete. Aber erst als sie die Herrschaft über die Märkgrafschaft an den Erbprinzen Ludwig Georg übergeben konnte, war sie in der Lage, sich ganz diesem Wiederaufbauwerk zu widmen. Das Markgräfliche Schloß wurde 1727 bis 1733, dem Todesjahr der Markgräfin, nach Plänen von J.M.Rohrer restauriert. Durch seine Ecktürme wirkte es trutzig wie eine mittelalterliche Burganlage. In seinem Hof, in dem die sommerlichen Schloß festspiele stattfinden, zeigt sich schon die heitere Note, wie sie im Anklang manch barocken, fast rokokohaft-verspielten Ausdruck erkennen lassen kann. Kleinod der Innenarchitektur bildet der Asamsaal mit dem Deckengemälde zu den Fresken aus der Legende des böhmischen Heiligen Nepomuk, das C.D.Asam geschaffen hatte. Dieser Saal bietet den stilvollen Rahmen der Ettlinger Schloßkonzerte.

Beim Gang durch die Altstadt lassen sich viele malerische Fachwerkwinkel aufspüren, wo neben Altem manch vorzüglich angepaßtes Neue zu entdecken ist, das barocke Rathaus mit dem Tor zur Alb, mittelalterliche Brunnen oder das steinerne Buch der europäischen Kunstgeschichte, die St.Martinskirche. Grabungen aus dem Jahre !934 haben ergeben, daß sich Bauteile und Stilelemente von der Zeit der Römer bis in die Epoche des Barock zu einem einzigen Bauwerk zusammengefügt haben. Als romanische Chorturmkirche war St.Martin nicht nur die Mutter-, sondern auch die Musterkirche für Nachbauten in den Dörfern des Albgaues. Nach dem Brand von 1689 wurden Langhaus und Turmhaube in barocken Formen wiederaufgebaut .

So erzählen einem aufmerksam durch die engen Gassen streifenden Besucher Ettlingens Winkel, Höfe und Gassen gar manches aus der Vergangenheit. Den Spiegel von Wahrheit und Weisheit hält Hans von Singen jedermann entgegen, der als steinerner Mann auf dem Narrenbrunnen thront: Laß mich unveracht und bedenk der Welt Weisheit und Pracht ist vor Gott in Torheit geacht ...

Weltweiten Ruf hat sich Ettlingen durch die Industrie erworben, die sich hier angesiedelt hat. 1482 schon wird eine Papiermühle erwähnt, die den Grund legte zu dem arbeitsamen Flecken an der Alb mit seinen Spinnereien und Webereien. Am Wartberg klettert eine freundliche Villensiedlung immer höher zum Wale empor. Neues Land holte sich die "Große Kreisstadt" durch Eingemeindungen zahlreicher Dörfer aus dem vorderen Albtal herein. Bruchhausen, Ettlingenweier, Oberweier, Schluttenbach, Schöllbronn und Spessart sind dem Stadtverband eingeordnet worden. So beschränken sich Ettlingens Geschichte und Tradition nicht allein nur auf das Erbe aus markgräflicher Zeit. Sie beruhen auch auf dem Gewerbefleiß der Bevölkerung, einer Eigenschaft, die sich bis in unsere Zeit erhalten und durch die Einbeziehung der Landgemeinden wesentlich verstärkt hat.

Das Ettlinger Schloss

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit Ettlingens ist das zwischen 1727 und 1732 errichtete markgräfliche Schloss, das älteste Bauwerk der Stadt. Das Ettlinger Schloss geht auf eine Burg aus dem Jahr 1192 zurück, die nach der Erhebung Ettlingens zur Stadt errichtet wurde. Erhalten ist der aus dem 13. Jahrhundert stammende Bergfried. Das im Jahr 1600 fertiggestellte dreiflügelige Renaissanceschloss wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört. Unter Verwendung der Schlossruinen ließ Augusta Sybilla, Regentin der Markgrafschaft Baden-Baden einen prächtigen barocken Neubau errichten, der heute als Veranstaltungszentrum und Museum genutzt wird.
Die 1733 fertiggestellte katholische Kirche St. Martin steht auf den Grundmauern einer römischen Badeanlage aus dem 2. Jahrhundert. Während der Unterbau des Turms aus dem 12. Jahrhundert stammt, wurde der achteckige Kirchturm im gotischen Baustil des 14. Jahrhunderts errichtet. Mit der Fertigstellung des barock gestalteten Helms endete der Turmbau im Jahr 1715.
Der 17 Meter hohe „Bismarckturm“ wurde 1901 zu Ehren des bis 1890 amtierenden Reichskanzlers aus roten Sandsteinblöcken auf halber Höhe des 338 Meter Wattkopf-Berges errichtet, einem Ausläufer des Schwarzwaldes, der sich östlich von Ettlingen erhebt. Heute ist der Bismarckturm ein beliebter Aussichtspunkt, von dem aus der Blick bis in die Vogesen und zu den Pfälzer Bergen reicht.
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