Rüppurrer Tor - Grafik Studio Harald Hirsch

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Rüppurrer Tor

Am Rüppurrer Tor - wo Altes verschwand und Modernes entstand

Dies ist eine jener berüchtigten Straßenkreuzungen in einer Großstadt, wie sie sich zu den Stoßzeiten des Verkehrs zu einer der gefürchtetsten Stauanlagen erweisen. Da brauchen nur noch die Ampeln verrückt zu spielen, und schon geht fast nichts mehr.

Wie gemächlich dagegen lief einst hier das Leben ab, als noch ein Tor mit Schlagbaum und Schildwachhäuschen kontrollierte und passieren ließ, was zur Stadt herein oder hinaus wollte. Südwärts führte die Landstraße, auf der die Postkutsche Richtung Ettlingen holperte und in Rüppurr ersten Halt einlegte.

So kam gar bald der Name Rüppurrer Straße auf. Parallel zog der Landgraben, auf dem vom Albtal her mächtige Holzscheiter geflößt wurden, die auf dem Areal des gestrigen und heute morgen nutzlosen Güterbahnhofes abgelagert wurden.

Rüppurrer Tor - eine Erinnerung an jene Holzkonstruktion, die bereits im Jahre abgerissen wurde. Eingebürgert hat sich der Name
Mendelssohnplatz, keineswegs eine Gedächtnisstütze für das Wirken des Komponisten Mendelssohn-Bartholdy in Heidelberg und Baden-Baden anno 1827; vielmehr ein Hinweis darauf,
daß an diesem Platz einst das "israelitische
Hospital" gestanden hatte. Wo sich die biedermeierlich aufgeputzte Polizeiwachtstube in
den Schutz einer Wohnhausfässade aus der Zeit
der Gründerperiode drückte, da prunkt heute
klotzig und protzig der Ziegelbau der Gewerbeschule, die ihren Namen nach dem Baumeister
Heinrich Hübsch erhalten hat. Jenseits der
Verkehrsader der Kriegsstraße erhebt sich als
Pendant ebenfalls ein Bauwerk der modernen
Architektur, das tonnendachbestückte Nobel-Hotel Ramada-Renaissance.

Zum Dörfle hin gehen Blicke der Wehmut, sich auch dort ein gewaltiger Strukturwandel in der Städteplanung rund um das Viertel "Klein-Karlsruhe" vollzogen hat. Bald wird auch das Areal des ehemaligen Güterbahnhofs, wo früher das "Lobberle" der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft dampfte und fauchte, überbaut und Vergangenes vergessen sein. Wer weiß noch, daß in jenem Bau, in dem heute ein Supermarkt sein Angebot den Käuferuiassen der Südstadt unterbreitet, einst die Hengste des großherzoglichen Landgestüts standen, bis zu 72 an der Zahl, weshalb man diesen Bau im Volk den "Hengststall" zu nennen pflegt. Die Allee der Rüppurrer Straße wandelten die Dörfler hinaus in die Augärten, zum Schützenhaus, zum Tivoli. Dort zogen die Wäscherinnen mit ihren zweirädrigen Karren hin zur Bleidorn 'schen Bleiche, wo nicht nur das Bettlinnen der höfischen Gesellschaft, sondern auch manche zwillichene Grenadiermontur der Sonne zum Weißmachen ausgebreitet wurde. Alles Leben, das sich gestern wie heute hier entspann, das strahlte von diesem Platze aus, der sich trotz allen Wandels noch einen bescheidenen Hauch von Kleinbürgerwelt reserviert hat...

Mendelssohnplatz

Der Mendelssohnplatz ist ein Platz am südöstlichen Rand des Karlsruher Stadtteils Innenstadt-Ost. Bauplanerisch entspricht er heute nicht einem Stadtplatz im eigentlichen Sinn, da er faktisch durch die Kreuzung der Kriegsstraße mit der Fritz-Erler- bzw. Rüppurrer Straße gebildet wird.
Die Geschichte des Mendelssohnplatzes begann 1898. Auf dem dortigen Gelände befanden sich bis 1874 das Rüppurrer- bzw. Friedrichstor, das einen südlichen Ein- und Ausgang der Stadt bildete, sowie der alte jüdische Friedhof, der 1897 geschlossen und eingeebnet worden war. An dem frei gewordenen Platz, der den Namen des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729-1786) erhielt, wurden anschließend mehrere Neubauten errichtet sowie ein kleiner Park angelegt. Die Neubauten im nordwestlichen Bereich des Mendelssohnplatzes bestanden aus der neuen Polizeiwache, erbaut von Wilhelm Strieder, dem Oktroierheberhaus, in dem unter anderem die von den Marktfrauen zu bezahlende Verbrauchssteuer abgeführt werden musste, und aus einem 1903 entstandenen, von Hermann Billing geplanten Jugendstilhaus. Ergänzt wurden diese Bauten durch das seit 1820 bestehende Gasthaus Grüner Hof am südwestlichen Rand und durch das Wirtshaus Walfisch (Abriss 1971) an der Ecke Kronen-/Kriegsstraße.
Diese öffentlichen Gebäude machten den Mendelssohnplatz – nicht zuletzt durch seine Nähe zum alten Karlsruher Bahnhof – im frühen 20. Jahrhundert zu einem belebten und beliebten Treffpunkt. 1935 wurde der Mendelssohnplatz von den Nationalsozialisten in Rüppurrer-Tor-Platz umbenannt, 1960 erfolgte die Rückbenennung. Sein Niedergang begann mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, der Abriss weiterer Gebäude im Rahmen der Altstadtsanierung setzte die Entwicklung fort. Anfang der 1960er-Jahre entstand im südwestlichen Bereich das achtstöckige Hotel am Theater, das 1980 für den Neubau des Hilton International abgerissen wurde. Als die US-amerikanische Hotelkette bereits nach wenigen Jahren Insolvenz anmelden musste, wurde es Anfang 1984 vom Ramada-Konzern übernommen und hieß Ramada Renaissance Karlsruhe Hotel. Am 1. Juli 2015 wurde es von der Hotelgruppe Achat aus Mannheim unter dem Namen Achat Plaza neu eröffnet.
Die grundlegenden Veränderungen im Rahmen der Altstadtsanierung führten dazu, dass der Mendelssohnplatz zu denjenigen Karlsruher Stadtplätzen gehört, deren heutige Form sich gegenüber dem Urzustand am meisten verändert hat. Dies äußert sich insbesondere darin, dass er zu einem der wichtigsten und meist frequentierten Verkehrsknotenpunkte der Stadt ausgebaut wurde. Unterstützt wurde dies durch den Bau mehrerer Großgebäude am Rand, wozu das erwähnte Hotel (1982), die Heinrich-Hübsch-Schule (1985), das Röser-Haus (1996) und das Scheck-In-Center (2002) gehören.

Bewertung: 5.0/5
 
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